Folgen des Niedrigzinses: Die große Umverteilung


Europäische Zentralbank , Geldpolitik , Zentralbank , Zins. Daraus entsteht eine Abwärtsspirale, die mitunter ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen kann. Bereits ein Anteil von zehn Prozent reicht in der Regel aus, um sich schnell am Zuwachs der Sparsumme zu erfreuen. Geldpolitik kann kurzfristig und langfristig unterschiedliche Auswirkungen haben.

Auswirkungen auf die Krisenländer


Es gibt fast nichts mehr aufs Ersparte. Und für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit deren Renditen zuletzt ein wenig gestiegen sind, so dass manch einer schon Hoffnung schöpfte bekommt man mit 0,89 Prozent auch alles andere als viel. Die Zinsen sind praktisch abgeschafft — sie gehören schon fast zu den Dingen, über die alte Leute von früher erzählen.

Zwar streiten sich die Ökonomen, wer wie viel Verantwortung für diese Entwicklung trägt. Zumindest die kurzfristigen Zinsen im Euroraum wie etwa das Tagesgeld hat sie damit fest im Griff.

Dabei mögen Spätfolgen der Finanzkrise eine Rolle spielen oder auch ein Ungleichgewicht zwischen hohen Ersparnissen aus alternden Industriegesellschaften bei zu wenigen lukrativen Anlagemöglichkeiten, wie eine Reihe von Wissenschaftlern glaubt.

Eines jedoch ist sicher: Die Ära der Niedrigzinsen ist eine Phase der Umverteilung. Die Nullzinspolitik begünstigt alle Menschen, die Schulden haben, weil sie weniger Zinsen zahlen müssen.

Und sie trifft Menschen, die Geld gespart haben und dafür weniger Zinsen bekommen als in halbwegs normalen Zeiten. Trifft das vor allem die Reichen, weil sie schlicht mehr Geld auf der Bank haben? Oder vor allem die Armen, weil diese weniger Möglichkeiten haben, durch eine geschickte Anlagestrategie den Folgen der Niedrigzinspolitik zu entkommen?

Gleich eine ganze Reihe von Studien hat sich in jüngster Zeit intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Sie kommen zum Teil zu recht verschiedenen Ergebnissen. Das mag mit unterschiedlichen politischen Intentionen der Verfasser zusammenhängen — oder auch mit dem jeweils verwendeten Datenmaterial.

Immerhin aber lassen sich bestimmte Grundmuster in allen Studien erkennen. Zunächst einmal ist klar: Wer gar kein Geld auf seinem Sparkonto hat, den können niedrige Zinsen kaum treffen. Die untersten 20 Prozent in der Vermögenspyramide in Deutschland haben so wenig auf der hohen Kante, dass ihnen die Niedrigzinsphase zumindest unmittelbar nicht viel anhaben kann.

Dann scheint es eine mittlere Gruppe in der Vermögensverteilung zu geben, die zwar ein bisschen Erspartes hat, aber nicht wirklich viel. Diese Gruppe scheint besonders von den Niedrigzinsen getroffen zu werden. Die Menschen, die zu dieser Mittelschicht gehören, haben Geld auf dem Konto, aber beispielsweise nicht viele Aktien. Das Geld, das sie haben, wollen sie halbwegs flüssig halten, weil sie es für unvorhergesehene Ereignisse brauchen. Es scheint ihnen zu wenig, als dass sie es in riskantere Anlageformen stecken - in denen es im schlimmsten Fall weg sein kann, in einem weniger schlimmen Fall aber auch gerade dann nicht verfügbar, wenn man es braucht.

Das Vermögen dieser Leute stagniert auf Giro- und Tagesgeldkonten — und wenn die Inflation etwas steigt, verlieren sie sogar unter dem Strich. Das Vermögen gerecht verteilen, ein Haus bauen.

Was tun mit der Freizeit im Ruhestand? Unser Autor meldet sich im neuen Jahr mit seinen zehn Finanzgeboten zurück. So wappnen Sie sich finanziell für jede Lebenslage. Der Vatikan hat vorgemacht, wie sich Staaten verschulden. Seine Anleihen waren über Jahrhunderte der Renner. Die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone sind strenger als in der allgemeinen Wahrnehmung. Die Preismacht der Anbieter — von Waren, Dienstleistungen oder Arbeitskraft — sinkt, sie können Preisanhebungen nicht mehr so gut durchsetzen.

Die Inflation geht zurück. Inflationsmindernd wirkt auch der gestärkte Euro, der den Einkauf von in Dollar gehandelten Rohstoffen wie Öl billiger macht.

Portugiesische Häuslebauer dürfte die Zinswende schwer treffen. Das kostet Kaufkraft, was das exportschwache Portugal schwer treffen dürfte. Steigt der Leitzins bis Jahresende wie von vielen Experten erwartet auf 1,75 Prozent, dann dürfte das die Wirtschaft etwa einen halben Prozentpunkt Wachstum kosten. Portugal ist aber auch noch auf einem anderen Weg von steigenden Zinsen betroffen, weil das Land nun doch unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft.

Der Zinssatz für die Milliarden-Hilfe orientiert sich an den Marktzinsen - und diese klettern bei steigenden Leitzinsen. Damit wird die Zinslast für den Staat höher - bei einem erwarteten Kreditvolumen von etwa 75 Milliarden Euro zählt jeder Prozentpunkt.

Das Geld fehlt für Investitionen oder muss durch Sparen wieder hereingeholt werden. Das Land, das Ende unter den Euro-Rettungsschirm geflüchtet ist, wird nach dem oben beschriebenen Szenario von der Zinserhöhung direkt betroffen sein. Das Land wird somit wie bereits das ebenfalls vor der Pleite bewahrte Griechenland künftig womöglich weniger Zinsen für seine Kredite zahlen. Im Gegenzug müsste sich Irland wohl bei der Bemessungsgrundlage der Körperschaftssteuer bewegen.

Hier nahm die Schuldenkrise ihren Anfang, hier ist die Rezession tiefer als in anderen Krisenländern. Trotzdem dürften moderate Zinserhöhungen der Wirtschaft kaum zusetzen. Bei einer Inflationsrate von derzeit rund vier Prozent ist der Realzins immer noch negativ - für die Kreditnehmer ein gutes Geschäft.

Kommt die Regierung bei ihrem Sparkurs voran, können die Renditen für Staatsanleihen auch bei steigenden Leitzinsen fallen.

Das Land hat wegen seiner Konsolidierungsanstrengungen in jüngster Zeit an den Kapitalmärkten verlorenes Vertrauen zurückgewonnen. Dennoch dürfte Spanien beim Schuldendienst eine Zinserhöhung schon bald zu spüren bekommen, da sich die Regierung in jüngster Zeit bei der Refinanzierung am Kapitalmarkt stärker auf Geldmarktpapiere mit kürzerer Laufzeit stützt.

Hier ist vielmehr entscheidend, ob die Investoren weiter Vertrauen in den Konsolidierungskurs des Landes haben. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero will bei den Wahlen nicht mehr antreten und muss nun rasch die Nachfolgefrage klären, um keine Unsicherheit über den künftigen Kurs aufkommen zu lassen.

Italien war in der Wirtschaftskrise stark betroffen und kommt bei der Erholung nur langsam voran.