Infoblatt Naher Osten

Das Morden in Syrien, die Kämpfe im Irak, der ewige Konflikt um Israel – nirgends fließt heute so viel Blut wie im Nahen Osten. Das liegt daran, dass vor hundert Jahren drei Männer.

Vergnügungsparks und Golfplätze sollten Urlauber locken, und spektakuläre Bauprojekte wie künstliche Inseln sorgten weltweit für Aufmerksamkeit. Die Bedeutung des Nahen Ostens für den globalen Energiemarkt ist enorm. Im Dezember wurde der Erdölpreis verdreifacht, woraus die erste 'Ölkrise' entstand. Weltberühmt wurde die Ölbohrung, die Edwin L.

Außensicht und Selbstverständnis

Seit jeher übt der Orient eine Faszination auf die Menschen in Europa aus. Religion, Kultur und Architektur zogen die Menschen in den Nahen Osten.

Unterstützt wurden sie dabei von der Bankiersfamilie Rothschild aus Paris, die eine Eisenbahnstrecke zum Schwarzen Meer finanzierte, die dem russischen Öl den Zugang zu westeuropäischen Märkten erleichterte. Die Rothschilds sollten bald auch eigene Ölquellen und Raffinerien in Baku kaufen und zum Konkurrenten für die Nobels - und Rockefeller - werden. Mit der von Thomas A. Im Jahr waren in Amerika erst 9.

Zudem war im Januar bei Beaumont in Texas das riesige Spindletop-Ölfeld gefunden worden - die erste Bohrung lieferte alleine soviel Öl wie alle bis dahin erschlossenen Vorkommen zusammen, und ein Jahr später gab es Brunnen in diesem Ölfeld, die Produktion stieg auf 17,5 Millionen Barrel.

Das Spindletop-Öl war zudem aufgrund seiner Zusammensetzung weniger als Schmier- und Lampenöl, aber bestens als Treibstoff geeignet; aus den Unternehmen, die zum Aufbau von Raffinerien gegründet wurden, gingen unter anderem Gulf Oil und die Texas Fuel Company heute: Unterdessen führten insbesondere die rustikalen Geschäftspraktiken von Rockefellers Standard Oil zu einer öffentlichen Kritik an den übermächtigen Konzernen, die im Laufe der Industrialisierung entstanden waren.

Diese beschäftigte bald auch Gericht und Politik - und hatte Erfolg: Das in Asien gefördert Öl war besonders zur Herstellung von Benzin geeignet, und wurde die Gruppe auch in Amerika aktiv. Schiffe mit Verbrennungsmotoren waren schneller: Churchill sah wie viele Engländer damals einen Krieg heraufziehen, und tatsächlich erklärte am 1. August Deutschland Russland den Krieg: Er wurde zur Katastrophe: Die Errungenschaften der industriellen Revolution wurden für die Kriegsführung nutzbar gemacht — rund 10 Millionen Tote und ein Mehrfaches an Verwundeten und Vertriebenen waren der Preis.

Öl sollte eine entscheidende Rolle spielen, aber weniger bei der Flotte abgesehen von der Rolle, die die deutschen — dieselgetriebenen — Unterseeboote spielten , sondern auf dem Land: Der erste Weltkrieg wurde zum ersten motorisierten Krieg. Damit wurde der Ölnachschub tatsächlich kriegsentscheidend, und als Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wiederaufnahm und immer mehr Tankschiffe der Alliierten versenkten, drohte deren Nachschub zu stocken. Deutschland versuchte unterdessen, sich die rumänischen Ölquellen zu sichern; kurz vor dem Einmarsch gelang es den Briten jedoch, die Förderanlagen und Raffinerien zu zerstören.

Währenddessen scheiterte Deutschland auch bei seinen Versuchen, Öl aus dem russischen Baku zu erhalten. Als dann noch Bulgarien und die Donaumonarchie kapitulierten beziehungsweise zerfielen, gab Deutschland im November auf und unterzeichnete einen Waffenstillstand. Nach den Erfahrungen im ersten Weltkrieg hatte Öl für ganze Staaten strategische Bedeutung erhalten; und in Amerika explodierte der Ölverbrauch - die Zahl der Autos war auf 9,2 Millionen im Jahr gestiegen.

Es entstanden die Tempel der neuen Zeit: Noch war Benzin überwiegend in Läden verkauft worden, gab es Der Verbrauch stieg rasant, aber die Entdeckung neuer Ölquellen ging noch schneller. Daran hatten die im ersten Weltkrieg entwickelte Luftaufklärung und der Seismograph wesentlichen Anteil.

Der Seismograph zeichnet Bodenerschütterungen auf, die für die Erdölgeologie künstlich erzeugt wurden: Die Ölflut führte zu einem Preisverfall: Aber die Förderung konnte zunächst nicht beginnen - der Zweite Weltkrieg unterbrach alle Zukunftspläne. Im Zweiten Weltkrieg sollte die strategische Bedeutung des Erdöls im zweiten Weltkrieg noch deutlicher werden als schon im ersten: Lastwagen, Panzer, Kriegsschiffe, Flugzeuge — sie alle brauchten Öl.

Das kohlereiche Deutschland hatte schon vor dem ersten Weltkrieg versucht, synthetischen Treibstoff aus Kohle zu erzeugen. Als die Nazis an die Macht kamen, unterstützten sie das Leunabenzin trotzdem, da es Unabhängigkeit von Ölimporten versprach - Autarkie wurde mit dem Vierjahresplan von zur offiziellen Regierungspolitik. Tatsächlich war Hitlers Blitzkrieg-Strategie von ausreichender Treibstoffversorgung abhängig.

Nachdem die Deutschen Norwegen, die Niederlande und Frankreich überrannt hatten, begann der Feldzug nach Russland, wo unter anderem die Ölfelder von Baku und dem Kaukasus warteten. Damit war der deutsche Traum vom Öl aus Baku ausgeträumt; die Anstrengungen zur Herstellung synthetischen Treibstoffs wurden weiter verstärkt.

Nach der alliierten Invasion in der Normandie wurden die Anlagen aber systematisch zerstört; Hitlers Architekt Albert Speer, seit auch Generalinspekteur für Energie, versuchte die Produktion durch den Bau kleinerer, gut getarnter Anlagen zu retten — vergebens. Deutschland ging der Treibstoff aus. Im Dezember versuchte Hitler seinen letzten Gegenangriff in den Ardennen, aber auch hier ging den Truppen der Treibstoff aus.

Der Ölnachschub bei den Alliierten hatte besser geklappt. Schon vor Kriegsausbruch hatten die Briten geplant, wie im Kriegsfall die Ölversorgung sichergestellt werden konnte: Sie wurde praktisch verstaatlicht, wobei die Ölindustrie weiterhin die operative Ausführung sicherstellte. Wieder hatte Öl dazu beigetragen, einen Krieg zu entscheiden.

Der Marshallplan zum Wiederaufbau der westeuropäischen Wirtschaft setzte ebenfalls auf Öl, das die Kohle bei der industriellen Wärmeerzeugung und in Kraftwerken ablösen sowie Autos, LKWs und Flugzeuge antreiben sollte. Das Öl aus dem Nahen Osten wurde daher immer wichtiger: Saudi-Arabien, Kuwait und der Iran wurden strategisch wichtig. Bald gewann aber ein alter Streit neue Bedeutung: Wem gehört das Öl?

Im Gefolge der mexikanischen Revolution hatte Mexiko eine Ölvorkommen bereits verstaatlicht, und wollte Venezuela mehr Geld für sein Öl. Venezuela erreichte eine neue Verteilungsformel: Dort wurden die Ölfelder und -anlagen verstaatlicht. Der iranische Premierminister Mohammed Mossadegh wurde - unterstützt vom amerikanischen und britischen Geheimdienst - gestürzt, der bereits geflohene Schah kehrte zurück - das Öl blieb jedoch im Besitz der neuen National Oil Company; die inzwischen in Anglo-Iranian Petroleum Company umbenannte ehemalige APOC wurde im Rahmen eines Konsortium aber als Dienstleister an der Förderung beteiligt.

Briten und Franzosen nutzten den israelischen Angriff auf den Sinai, um die Kanalzone zu besetzen. Daraufhin blockierte Nasser den Kanal, und Briten und Franzosen mussten sich zurückziehen: Eine Konsequenz der Suezkrise war das Aufkommen der Supertanker: Das Überangebot führte zu sinkenden Preisen - noch verstärkt dadurch, dass die Sowjetunion Öl zu Billigpreisen exportierte, um an Devisen für Maschinen und Lebensmittel zu kommen.

Machthaber im Nahen Osten sind daher gezwungen, Wege zum Machterhalt zu finden. Dies kann durch Umverteilung der Erdöleinnahmen geschehen, aber auch, indem ein gemeinsames Feindbild wie Israel oder die USA wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht wird.

Er breitete sich über viele Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens aus. Proteste, Aufstände und Rebellionen erschütterten die autokratischen Systeme der Region. Libyen war danach drei Jahre lang ein von rivalisierenden Milizen zerrissener Staat. Erst im Dezember gelang ein Friedensvertrag, dem ein Neuaufbau des Staates unter dem neuen Staatschef Fayiz as-Sarradsch folgen soll.

In anderen Ländern wie Marokko und Jordanien haben die Regime auf die sozialen Proteste reagiert und so ihren Status quo zumindest kurzfristig stabilisiert. In einigen Ländern führen Wahlen zu einer mehr oder weniger verbesserten Situation. Der Arabische Frühling gilt als historische Zäsur in der Region — mit weitreichenden Folgen in politischer, wirtschaftlicher und geostrategischer Hinsicht. Aus den Anfang begonnenen friedlichen Protesten gegen das Regime des autoritären Machthabers Baschar al-Assad entwickelte sich zunächst ein Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und oppositionellen syrischen Milizen.

Durch das Eingreifen verschiedener religiös oder politisch motivierter Organisationen aus Syrien und den umliegenden Staaten wurde daraus der bis heute anhaltende syrische Krieg, der in Wahrheit eine Summe von zahlreichen Einzelkonflikten ist.

Die heutigen Hauptgruppen sind:. Im Nahen Osten wurden die ersten Erdölvorkommen schon Anfang des Aber erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bekam das Erdöl seine Bedeutung als wichtigster internationaler Einzelrohstoff. Später kamen weitere sieben Staaten hinzu: Durch Absprachen über die Fördermenge sollte der Ölpreis erhöht und stabilisiert werden. Aktuell befinden sich 61 Prozent der Erdölreserven weltweit in der Region.

Der Ölreichtum ist aber sehr unterschiedlich verteilt. So entfallen rund 58 Prozent der weltweiten Reserven auf nur fünf Staaten: Saudi-Arabien allein besitzt 21 Prozent der Ölreserven weltweit. Der Erdölreichtum in der Region hat in den betroffenen Ländern zu einem extremen und sehr raschen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wandel geführt.

Innerhalb einer Generation mussten sich ganze Gesellschaftsschichten von vormodernen Lebensweisen z. Nomadismus auf das westlich geprägte Industrie- und Konsumzeitalter umstellen. Viele der schon erwähnten Identifikationsprobleme lassen sich darauf zurückführen. Die politischen Systeme der Erdölexportländer haben ihre finanzielle Grundlage nicht in Steuereinahmen, sondern in Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl, Kanal- und Pipelinegebühren oder Dividenden aus Kapitalanlagen im Ausland.

Da die jeweiligen Machthaber nicht auf Steuern ihrer Untertanen angewiesen sind, müssen sie sich auch nicht für die Verwendung der Gelder verantworten. Es ist im Gegenteil möglich, Wohlstand zu verteilen und damit Machtstrukturen zu stabilisieren. Diese Stabilität funktioniert jedoch nur, solange die Einnahmen vorhanden sind. Der Erdölexport bestimmt aber auch die Wirtschaftsstruktur der gesamten Region. Nichterdölstaaten sind durch Umverteilung an den Erdöleinahmen beteiligt und der gesamte Nahe Osten ist damit auf komplexe Weise in das Weltwirtschaftssystem integriert.

So ist der Arbeitskräftebedarf in den Ölförderländern viel höher als das Angebot. Einnahmen von Gastarbeitern und Migranten machen zum Beispiel in Jordanien fast 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Für den Nahen Osten lässt sich daher eine besondere Abhängigkeit von der weltweiten Ölnachfrage und Konjunktur feststellen. Diese Erkenntnis gekoppelt mit dem Wissen um die Endlichkeit der Erdölressourcen hat in den Erdölförderländern zu einem Umdenken geführt.

Gewinne aus Erdöleinnahmen werden zunehmend in Infrastrukturprojekte und die Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis gesteckt. Es kommt sogar zunehmend zu einer Städterivalität: Das inzwischen engmaschige Netz an leistungsfähiger technischer und sozialer Infrastruktur bewirkt ein hohes Konkurrenzpotenzial innerhalb der Region.

Es herrscht ein regionaler zwischenstaatlicher Kampf um potenzielle Investoren. Dubai hat hohe städtebauliche Standards vorgegeben, die zunehmend aufgegriffen und in unterschiedlichen Abwandlungen in anderen Staaten verwirklicht werden. Ziel ist die Entwicklung wirtschaftlich erfolgreicher Städte, die langfristig weltweit mithalten können und so den Staaten eine Perspektive für die Zeit nach dem Erdöl eröffnen.

Mirko Ellrich, Eberhard Pyritz Verlag: Historische Wirtschaftsformen Landschaftlich ist der Nahe Osten den subtropischen Trockenräumen zuzuordnen.